Offener Brief der BI „Oberes Schwarzatal“ an Landrat Marko Wolfram vom 02.05.2018

Sehr geehrter Herr Landrat Wolfram,

Kommunalpolitik stand wahrscheinlich noch nie so im Fokus der Bürger unserer Gemeinde wie in der jetzigen Zeit. Das aktuelle Geschehen in Katzhütte-Oelze ist Ihnen sicherlich hinreichend bekannt. Wir möchten die Gelegenheit nutzen, Ihnen auf diesem Wege die Gedanken und Ideen unserer Bürgerinitiative kurz zu erläutern. Unsere Bürgerinitiative tritt für die Angliederung unserer Gemeinde an die Landgemeinde Stadt Großbreitenbach ein. Leider sehen wir uns allzu oft mit dem Vorurteil konfrontiert, dies nur wegen eines von Dollarzeichen vernebelten Blickes zu tun. Wir sind uns sicher, dass sich alle Gemeinderäte ihre Entscheidung nicht leicht gemacht haben, egal für welche Richtung sie stimmten.

Großbreitenbach gehört zum Tourismus-Verband „WWW-Region“ (www.www-tour.com), einem Zusammenschluss aus der VG Großbreitenbach, der VG Langer Berg sowie der Stadt Langewiesen und der Gemeinde Wolfsberg. Die Bezeichnung „www“ steht hier für Wandern- wohlfühlen- wiederkommen – zwischen Rennsteig, Ilm- und Rinnetal.

Die Gemeinderätin und Kreistagsmitglied Regina Kräußel hat in Ihrer Beschlussvorlage gegen den Austritt Katzhüttes aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt ausgeführt, dass mit dem Wechsel von Katzhütte eine Schwächung des Tourismus im Schwarzatal stattfindet. Warum sollte Katzhütte mit einem Wechsel nach Großbreitenbach nicht als Bindeglied zwischen der Tourismusregion Schwarzatal und der „www-Region“ dienen? Katzhütte liegt im Schnittpunkt von Schwarzatal, www-Region und dem Rennsteig. Alle Regionen könnten in Zukunft mit der Schwarzatalbahn und geschickten Busverbindungen zum Rennsteig und in den Ilmkreis von diesem Synergie-Effekt profitieren. Ein Wechsel muss also keine Schwächung des Tourismus bedeuten! Katzhütte wird immer geographischer Teil des Schwarzatals bleiben. Aus diesem Gedanken leitet sich auch der Name unserer Bürgerinitiative ab.

Wir können nachvollziehen, dass Sie sich gegen eine Schwächung des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt durch sinkende Einwohnerzahlen einsetzen, um die Abtrünnigen kämpfen und Ausgleichszahlungen vom Land fordern, wie es die OTZ berichtete.
Doch wir setzen uns für die Stärkung unserer Kommune ein.

Für die Bildung einer Landgemeinde mit Großbreitenbach sprechen viele Gründe des öffentlichen Wohls, wie es die Kommunalordnung in §46 Abs.1 fordert! Es wird zu einer erheblichen finanziellen Entlastung unserer Kommune kommen. Nicht nur kurzfristig durch Neugliederungsprämie, Strukturbegleithilfe und Entschuldungshilfe, sondern auch langfristig und nachhaltig. Es können Gelder bei Kreis- und Schulumlage gespart werden. Mit Großbreitenbach und den anderen Ortsteilen als teilweise starke wirtschaftliche Partner unterliegt Katzhütte nicht mehr den Zwängen eines Haushaltssicherungskonzeptes. Der Investitionsstau der Gemeinde kann abgebaut werden. Dies wird sicherlich nicht von jetzt auf gleich passieren. Betrachtet man dagegen die Überlegungen zur Bildung einer großen Verwaltungsgemeinschaft im Schwarzatal, so kann man diese Wirtschaftsstärke nicht erkennen. Der Ilmkreis wurde auch erst kürzlich für sein starkes Wirtschaftswachstum vom FOCUS ausgezeichnet.

Bei dem aktuellen kommunalpolitischen Chaos im Schwarzatal ist es für uns mehr als schwierig, Gemeinsamkeiten zu erkennen, die in den nächsten Monaten und Jahren noch Bestand haben. Die Orte sind sich uneinig, aus einer ursprünglich angedachten Landgemeinde der Ortschaften der ehemaligen VG Bergbahnregion-Schwarzatal wurde schnell ein geplanter Zusammenschluss zweier VG zu einer neuen, größeren Verwaltungsgemeinschaft. Es gab Überlegungen Schwarzburgs in Richtung Bad Blankenburg. Sitzendorf hat die Abstimmung über den politischen Zusammenschluss vertagt, Mellenbach-Glasbach, Meuselbach-Schwarzmühle und Oberweißbach haben sich nun doch im Alleingang zu einer Landgemeinde formiert und Deesbach und Cursdorf halten sich zurück. Wir fragen Sie daher: Wo sehen sie hier bitte einen Zusammenhalt im Schwarzatal und gegenseitige Verflechtungen? Wo bitte soll hier eine stabile kommunalpolitische Basis liegen?

Sie verweisen in einem Interview mit der OTZ (Ausgabe vom 21.03.2018) auf die grundlegende Änderung der Zuständigkeiten bei Behörden, Ämtern und Gerichtsbarkeiten bei einem Kreisübertritt – dies mag ja alles richtig sein, aber das bringt ein Kreisübertritt nun mal mit sich. Und mal ehrlich: im Falle der Katzhütter Bürger verkürzen sich die Wege; zum Bürgerbüro nach Ilmenau ist der Weg deutlich kürzer als nach Saalfeld oder Rudolstadt. Nach Großbreitenbach ist es ebenfalls nur der sprichwörtliche „Katzensprung“ im Vergleich zum Fahrweg nach Oberweißbach. Die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitten in die Kreisstadt Saalfeld ist mit Umsteigen verbunden und sehr zeitintensiv. Die Bürger in Katzhütte-Oelze haben keine Möglichkeit, mit dem Bus zu unserer Verwaltung nach Oberweißbach zu fahren, außer mit dem Schulbus, wenn keine Ferien sind (Hinfahrt ab 7:04 Uhr; Heimfahrt frühestens ab 13:45 Uhr). Mitbürger ohne Fahrerlaubnis und Fahrzeug sind hier immer auf die Mithilfe von Freunden und Verwandten angewiesen - auch für diese Helfer wären die kürzeren Wege sicher ein großer Vorteil, da hier nicht mehr so viel Zeit eingeplant werden müsste.

Viele unserer Einwohner haben heute schon Verflechtungen in den Ilmkreis. Die Industrie in Großbreitenbach ist ein großer Arbeitgeber auch für Menschen aus unserem Ort. Wer im Einzelhandel in Katzhütte nicht fündig wird, fährt oft nach Großbreitenbach zum Einkaufen. Dieses Angebot haben auch weniger mobile Menschen gern angenommen, als früher noch ein Bus in Richtung Ilmenau fuhr. Mit dem Wechsel in den ILM-Kreis rückt endlich wieder die verkehrsmäßige Anbindung an Großbreitenbach und das Mittelzentrum Ilmenau in greifbare Nähe.

Unsere Bürgerinitiative vertritt die Meinung eines großen Teils der Einwohner. Wir zählen derzeit 46 eingetragene Mitglieder, die sich aktiv in der BI engagieren. Von vielen Mitbürgern erhalten wir ein positives Feedback über unsere Arbeit.

Wir glauben nicht, dass wir Ihre Meinung in Bezug auf den Kreiswechsel der Gemeinde Katzhütte ändern können. Wir hoffen allerdings, Ihnen mit diesem Schreiben unsere Beweggründe etwas näher gebracht zu haben. Wir möchten betonen, dass es eine Vielzahl von Bürgern unseres Ortes gibt, die hinter der Entscheidung des Bürgermeisters und der sechs Gemeinderäte stehen und einer Zukunft im Ilmkreis nicht nur pessimistisch und schwarzmalerisch gegenüber stehen, so wie es einige leider sehr einseitige Berichterstattungen in der OTZ vermuten ließen.

Katzhütte, den 02.05.2018

Bezug sind die OTZ- Artikel :
Kreistag hat Katzhütte zum Thema vom 20.02.2018 (http://saalfeld.otz.de/web/saalfeld/startseite/detail/-/specific/Kreistag-hat-Katzhuette-zum-Thema-1812102017)
Kreistag in SLF setzt Stoppzeichen für Abtrünnige vom 01.03.2018 (http://saalfeld.otz.de/web/saalfeld/startseite/detail/-/specific/Kreistag-in-Saalfeld-setzt-Stoppzeichen-fuer-Abtruennige-2069071782)
Saalfeld: Landrat will um Abtrünnige kämpfen vom 21.03.2018 (http://saalfeld.otz.de/web/saalfeld/startseite/detail/-/specific/Saalfeld-Landrat-will-um-Abtruennige-kaempfen-258443557)